Göppinger Sieg in der Ferne

Der Oberliga-Dritte gibt sich sparsam und fährt mit einem 2:1-Sieg bei praktisch abgestiegenen Lörrachern die drei Punkte ein. Von Andreas Böhringer, swp.

Gianni Coveli hatte bereits im Vorfeld angekündigt, auch in dieser englischen Woche seinen breiten Kader ausnützen zu wollen. Und so veränderte der SV-Übungsleiter seine Startformation, die er in einem klassischen 4-4-2 anordnete, auf vier Positionen und brachte Felix Frenz, Mergim Neziri, Michael Renner und Max Ziesche.

Trotz Dauerregens war der Rasenplatz beim FV Lörrach-Brombach gut bespielbar und die Göppinger versuchten ihr Spiel konstruktiv von hinten heraus aufzubauen. Wie gewohnt lief dabei das Leder häufig über Domenic Brück, der neben Neziri in der Mittelfeld-Zentrale den defensiven Part einnahm. Die Gastgeber überließen dem Sportverein die Initiative, kamen in der 12. Minute indes zum ersten Abschluss, doch der Kittel-Kopfball stellte für Marcel Schleicher ebensowenig ein Problem dar wie der Ziesche-Schuss aus 18 Metern für FV-Keeper Lüchinger (18.). Gegen tief stehende Hausherren, die Angreifer zogen sich teilweise bis an die Mittellinie zurück, verzeichnete Göppingen ein klares Ballbesitz-Plus. Teilweise waren alle Feldspieler in der Lörracher Hälfte, doch Produktives in Richtung FV-Gehäuse brachten die Rot-Schwarzen nicht zustande. „Mehr Dynamik“, forderte folgerichtig Coveli lautstark nach 25 Minuten, das Spiel ohne Ball ließ zu wünschen übrig und die Mannschaft von Erkan Aktas hatte wenig Mühe, die SV-Angriffsbemühungen zu unterbinden. Bei den eigenen Offensivaktionen zeigten die Badener, weshalb sie die mit Abstand schwächste Angriffsreihe der Oberliga haben. Dementsprechend plätscherte die Begegnung wie der Regen vor sich hin. Mit dem Pausenpfiff wären die Rot-Schwarzen nach einer Standard-Situation beinahe in Führung gegangen, der Kopfball von Filip Milisic ging knapp vorbei.

Nach dem Seitenwechsel sollte Tim Schraml in der Zentrale für mehr Struktur sorgen, Neziri rückte hierfür auf den rechten Flügel und übernahm die Renner-Position. Seine Allrounder-Qualitäten waren auch nach 65 Minuten gefragt, als mit Tyron Profis ein Angreifer kam und Neziri auf die linke Seite rutschte. Daneben zeigte auch die Einwechslung von Stamm-Innenverteidiger Tomislav Ivezic, dass Gianni Coveli sich mit dem torlosen Remis nicht abfinden wollte. Doch auch mit diesen Veränderungen blieb vieles Stückwerk, den Kombinationen fehlten das nötige Tempo, um die FV-Hintermannschaft aushebeln zu können. Auf der Gegenseite steckte Tibault Lancry klasse durch auf Alija Kapidzija, der aber im eins-gegen-eins an Schleicher hängen blieb. Nach einem schönen Spielzug war es schließlich Lancry selbst, der freistehend aus zwölf Metern eine Ablage überlegt in die Ecke zum 1:0 schob (71.). Diese Führung hielt allerdings nur zwei Minuten: nach einem langen Diagonalpass legte Schramm von der Grundlinie zurück auf Gentian Lekaj, der aus vollem Lauf den Ball in die Maschen hämmerte. Der Rückstand diente für das Coveli-Ensemble als „Hallo-wach-Effekt“, fortan war wesentlich mehr Zug in den Aktionen und es wurde zielstrebiger gespielt. In der 79. Minute köpfte Ivezic eine Loser-Ecke an den Pfosten. Beide Mannschaften agierten in der Schlussphase mit offenem Visier, der Siegeswillen war beiden Kontrahenten anzumerken, doch aussichtsreiche Situationen wurden unsauber zu Ende gespielt. Es war schließlich der Tabellendritte, der das glücklichere Ende für sich hatte: ein langer Ball in den Strafraum wurde von Lekaj toll kontrolliert, die Ablage verwandelte Profis unbedrängt aus acht Metern mit dem Abpfiff zum Siegtreffer. „Das Tor war geil zu diesem Zeitpunkt“, jubelte der Matchwinner: „Danach sind alle ausgerastet, das war Ekstase pur.“ Profis sah insgesamt trotz einer nicht berauschenden Vorstellung einen verdienten Erfolg: „Wir haben uns das Leben oft selbst schwer gemacht. Der Rückstand hat uns dann aufgeweckt und wir haben verdient gewonnen.“

FV Lörrach: Lüchinger – Sevinc, Pinke, Leisinger, Semenschuk (60. Kapidzija), Kassem (90. Disanto), Binkert, Böhler, Kittel (60. Lancry), Gysin, Hinrichsen.

SV Göppingen: Schleicher – Loser, Frenz (60. Ivezic), Milisic, Schramm, Piljek (63. Profis), Brück, Neziri (70. Idehen), Renner (46. Schraml), Ziescher, Lekaj.

SR: Stefan Ebe (Friedrichshafen). – Tore: 1:0 Lancry (71.), 1:1 Lekaj (73.), 1:2 Profis (93.). – Zuschauer: 150.

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