Matej Maglica

Sprungbrett Sportverein: Von Göppingen in den Profifußball

Matej Maglica und Streli Mamba sind im Augenblick die prominentesten Beispiele für Akteure, die es in den vergangenen Jahren über den Göppingen Sportverein in den bezahlten Fußball geschafft haben.

Der am 25. September 1998 in Slavonski Brod (Kroatien) geborene Maglica kam 2019 von Liga-Konkurrent TSG Backnang nach Göppingen, wo er als torgefährlicher Innenverteidiger mit Gardemaß die Späher des VfB Stuttgart auf sich aufmerksam machte und nach zwölf Monaten auf den Cannstatter Wasen weiterzog, wo er für die Zweitvertretung 40 Regionalliga-Partien absolvierte und auch zu seinem Bundesliga-Debüt kam. Nachdem der Linksfuß seinen Vertrag bei den Weiß-Roten langfristig verlängerte, wechselte er Im Januar auf Leihbasis zum FC St. Gallen, wo er sich auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfte. Zuletzt stand ihm gegen den FC Luzern beispielsweise der ehemalige VfB-Kicker Christian Genter gegenüber.

Das Onlineportal transfermarkt.de weist für ihn einen Marktwert von 400.000 Euro aus, Tendenz steigend. St. Gallen wird die Kaufoption voraussichtlich ausüben, so dass Maglicas Traum vom Profifußball weitergehen wird. Die Schweizer Liga hat sich in den vergangenen Jahren für viele Talente als ideales Sprungbrett in Richtung 1. und 2. Bundesliga erwiesen.

In dieser Zweiten Liga ist Streli Mamba aktiv, der leihweise (von Qairat Almaty) das Trikot von Hansa Rostock überstreift. Für den gebürtigen Göppinger läuft es sportlich beim Kogge-Klub allerdings nicht nach Wunsch und der antrittsstarke Flügel- und Mittelstürmer kommt erst auf 15 Saisonspiele (ein Tor). Der 27-Jährige lief als Jungspund noch zu Verbandsliga-Zeiten für den Sportverein auf, ohne dabei nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Über einige Umwege schaffte Mamba, der körperlich ordentlich Muskelmasse drauf packte, schließlich bei Energie Cottbus den Durchbruch und ging anschließend zum SC Paderborn, der damals von Steffen Baumgart trainiert wurde. Zu dieser Zeit erreichte sein Marktwert bei transfermarkt.de den Höchststand von zwei Millionen Euro, aktuell liegt er bei 500.000 Euro.

Streli Mamba ist ein eindrückliches Beispiel, dass der direkte Schritt aus der Junioren-Bundesliga in den bezahlten Fußball für viele Talente zunächst zu groß ist und erst eine Anpassung an das athletische und körperbetonte Spiel der Aktiven stattfinden muss, bevor die gute technisch-taktische Ausbildung aus den Nachwuchsleistunsgzentren greifen kann. Daneben sind Beharrlichkeit und natürlich auch das nötige Quäntchen Glück wichtig, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und einen Trainer zu haben, der einem vertraut und die Chance gibt. Diese ganzen Punkte treffen auf Morgan Faßbender zu, der es in dieser Saison in die 3. Liga schaffte und sich beim SV Meppen auf der offensiven Außenbahn zum Leistungsträger entwickelte. Seine konstant guten Leistungen wurden mit dem Sprung in die KICKER-Rangliste belohnt. Faßbender, Jahrgang 1998, kam in der Winterpause 2018/19 zu den Rot-Schwarzen und nahm eine tolle Entwicklung. Über Regionalligist Chemie Leipzig kam er schließlich nach Meppen, wo er bis 2023 unter Vertrag steht und aktuell auf 32 Saisonspiele (4 Tore) kommt.

In der Regionalliga tummeln sich weitere Akteure mit SV-Vergangenheit: Marcel Schmidts (27) klopft mit dem SSV Ulm 1846 an der Tür zur 3. Liga, im Westen hat Shaibou Oubeyapwa  (29) mittlerweile über 100 Einsätze für RW Oberhausen absolviert, bei Liga-Rivale Fortuna kickt Francis Ubabuike (27).

„Wir sind der zweite Bildungsweg“, umschreibt Ingo Miede die stattliche Anzahl an Spielern, die es über den Sportverein nach oben geschafft haben. „Die Unterschiede zwischen der Oberliga und den höheren Ligen sind nicht mehr so groß. Wenn es direkt nicht funktioniert, geht man in die fünfte Liga und kann es trotzdem schaffen.“ Für den SV-Spielleiter ist dies ein Qualitätsmerkmal für den Klub

„Ein Ausbildungsverein zu sein ist nicht falsch, ganz im Gegenteil. Das ist ein Gütesiegel für uns.“

und ein gewichtiges Argument, um Talente nach Göppingen zu locken: „Fakt ist: jeder Spieler entwickelt sich hier weiter und es schadet auch nicht, etwas länger bei uns zu kicken. Man muss nicht mit 18, 19 oder 20 Jahren den Schritt schaffen, Matej ging mit 22. Man muss sich an die Härte im Zweikampf gewöhnen und die hierzu nötige Körperlichkeit kann man sich in der Oberliga holen.“ Für Miede ist die geographische Lage zwischen den Standorten Ulm, Heidenheim und Stuttgart, wo überall A-Jugend-Bundsliga gespielt wird, von Vorteil und aus allen Richtungen kommen Akteure zum Sportverein.

Nicht nur für die Spieler kann es nach oben gehen, für Übungsleiter Mike Krannich war seine exzellente Arbeit auf der Göppinger Trainerbank das Sprungbrett: der 49-Jährige bildet seit 2013 als Co-Trainer ein Tandem mit Rüdiger Rehm, über die SG Sonnenhof-Großaspach, Arminia Bielefeld und den SV Wehen Wiesbaden ist das Duo nun beim designierten Zweitliga-Absteiger FC Ingolstadt gelandet und soll bei den Schanzern eine neue Mannschaft aufbauen.

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