Es gibt wohl kaum einen Club, eine Halle oder eine einschlägige Musikkneipe im Land, in denen er nicht schon gespielt hat. Der Gitarrist und Sänger Werner Dannemann steht seit über einem halben Jahrhundert auf der Bühne.

Herr Dannemann: Haben Sie sich besonders geehrt gefühlt, als Medien wie die Stuttgarter Zeitung Sie als „Weltstart von Württemberg“ oder auch „schwäbischen Hendrix“ bezeichnet haben?

Publicity gehört in meinem Business einfach mit dazu. Und wenn die Aussagen so positiv sind, freut man sich besonders. Die beiden Claims haben ihren Ursprung in den 90er Jahren. Damals begleiteten Radiosender und TV-Stationen häufig meine Live-Auftritte.

Ihre Musik-Karriere begann im katholischen Gemeindehaus in Eislingen. Sie sind aber auch vom Gymnasium geflogen. Wie war das damals mit Ihren Eltern?

Mein Vater ist früh verstorben. Die Mutter musste damals arg unter mir leiden. Da war halt nichts zu machen. Ich begann in dieser Zeit selbst zu komponieren. Insgesamt kann man sagen, dass die Gesellschaft früher für einen jungen Mann mit musikalischen Ambitionen noch nicht so weit war, dass er sich selbstständig gemäß seinen Interessen entwickeln konnte. Die jungen Nachwuchstalente heutzutage haben es viel leichter. 

Andreas Schweikert, Betreiber des Restaurants „Himmel & Erde“ auf dem Hohenstaufen will von Ihnen wissen, ob Sie selbst in jungen Jahren Fußball, Handball oder gleich Gitarre gespielt haben.

Als Eislinger musste ich Handball spielen. In unserem Ort gab es zwei Handballvereine. Später habe ich mich allerdings – als jüngster in der Familie, ich habe noch zwei Brüder – für Fußball entschieden.

Wie viele Musiker durchlebten auch Sie In Ihrer Sturm- und Drang Zeit eine „Rauschgiftkarriere“. Selbst Ministerpräsident Kretschmann hat jüngst zugegeben, dass er schon mal einen Joint geraucht hat. Wie war das damals?

Ich hatte nie harte Drogen konsumiert. Leichte Mittel waren jedoch in den amerikanischen Clubs obligatorisch. Mit 19 Jahren hatte ich dann eines Nachts ein einschneidendes Erlebnis. Es kam zu einer Herzattacke. Danach ließ ich die Hände von Drogen.

Sie haben 37 CDs herausgebracht. Die aktuelle CD heißt „“Mystique“ „.  Was ist das Besondere an dieser runden Scheibe?

Die aktuelle CD wurde am 31. Juli im Geislinger Rätschegarten erstmals präsentiert. Aufgenommen und gemastert wurde die CD übrigens im Neckarsound Studio Tübingen.  Am besten hören Sie selbst rein. Es lohnt sich.

Freischaffende Musikerinnen und Musiker traf der Kultur-Lockdown besonders hart. Wie haben Sie diese Zeit gemeistert und wie geht es jetzt weiter?

Der Lockdown hat bei mir die Psyche angekratzt. Livestreams haben mir jedoch geholfen. So allmählich wird es besser. Diese Woche habe ich zum Beispiel drei Live-Auftritte und darauf freue ich mich sehr.

Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie zahlreiche international bekannte Musiker kennengelernt. Welche davon haben Sie besonders beeindruckt?

 „Jethro Tull“ hat mir imponiert. Die Band rund um Ian Anderson war bei Ihren Live-Auftritten der Hammer. Atmosphäre, Arrangement und Konzeptalben wie „Thick as a Brick“ waren allererste Sahne. Zu nennen sind zusätzlich die britische Progressive-Rock-Band „Van der Graaf Generator“ und die „Keef Hartley Band“ mit dem Schotten Miller Anderson (Songwriter, Gitarre und Gesang).

Ein Angebot der Scorpions, bei ihnen einzusteigen, haben Sie abgelehnt. Was waren die Gründe?

Meine künstlerische Selbstverwirklichung hätte nie stattgefunden, deswegen habe ich das Angebot bewusst abgelehnt. Auf der anderen Seite habe ich mit dieser Entscheidung bestimmt auf sehr viel Geld verzichtet.

Sie waren vor kurzem bei einem Heimspiel des GSV. Hier hat sich in den letzten Jahres Einiges bewegt. Neue Tribüne, Soccer Hall, Fan-Club, Erfolgreiches Oberliga-Team. Wie sehen Sie das?

Über viele Jahre hinweg hatte ich meinen Lebensmittelpunkt in Kirchheim/Teck und besuchte dort auch Heimspiele. In der großen Kreisstadt – und nicht nur hier – hat man sich immer sehr positiv über die Rot-Schwarzen aus Göppingen geäußert. Darauf kann der Verein schon ein bisschen stolz sein. Die Rahmenbedingungen unterm Hohenstaufen stimmen. Das Stadion ist richtig chic geworden und die Leistungen der Mannschaft stimmen.

Können Sie sich vorstellen einmal bei einem Heimspiel der Rot-Schwarzen aufzutreten?

Sehr gerne, dazu müsste man allerdings die genauen Rahmenbedingungen festlegen.

Im Laufe Ihres Lebens wurden Sie schon häufig interviewt. Welche Frage hat man Ihnen noch nicht gestellt?

Ich interessiere neben Musik und Fußball für Philosophie. Das merkt man besonders im Album „Seven Songs for God“.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie würde der lauten?  

Die Eintracht aus Braunschweig, seit vielen Jahren mein Lieblingsverein, und natürlich auch der GSV – beide – sollen aufsteigen. Das wäre prima.

Herr Dannemann, vielen Dank für das Interview.

Weitere Infos: https://www.dannemannguitarist.com

Das Interview führte Matthias Klesen


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